Dienstag, 23. August 2011

Von der Freiheit

Es war am Montag, den 28. Juni, um ziemlich genau 17:42 Uhr, als Elisabeth H. in leichter Sommerbekleidung, einen Koffer, der wohl das Nötigste enthalten mochte, fest in der linken Hand, auf die Straße trat, sich noch ein letztes Mal zum Haus ihrer Jugend umdrehte, um übergangslos mit der rechten einen Brandsatz durch das geöffnete Wohnzimmerfenster zu schleudern. Die Uhrzeit lässt sich so genau bestimmen, da just in dem Moment, als der großzügig über Polstermöbel, Teppiche und Gardinen verteilte Brandbeschleuniger seine Wirkung tat, die Linie 105 von der Haltestelle Grüner Weg abfuhr und dadurch den Fahrgästen für einen kurzen Moment freie Sicht auf das auflodernde Inferno bot; der Bus hatte an diesem Tag kaum Verspätung. Die befragten Anwohner sind sich darüber einig, dass Frau H. mindestens noch eine Minute lang, eher aber etwas länger, sehr ruhig auf dem Gehsteig gestanden und das sich ausbreitende Feuer mit wohlwollendem Lächeln und gelegentlichem bestätigenden Kopfnicken betrachtet habe.

Über ihr Verschwinden hindes herrscht Unklarheit, die Zeugenberichte diesbezüglich sind widersprüchlich. Herr M. aus dem Nachbarhaus will sie die Straße Richtung Ortsausgang hinabgehen gesehen haben, leichten Schrittes, wie damals, wenn sie zum Fluss ging. Ehepaar S. von gegenüber hingegen ist sich einig, sie in Richtung Zentrum eilend, als wolle sie einen Bus oder ähnliches erwischen, gesehen zu haben. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Nachbarsjunge B. darauf beharrt, sie habe sich nach einiger Zeit des Stehens, Lächelns und Nickens einfach in Luft aufgelöst oder aber in eine Schwalbe verwandelt. Genau wolle er sich nicht festlegen, ein Vogel sei aber definitiv vorhanden gewesen.

Aus den Trümmern des Hauses konnte nichts von Wert gerettet werden. Der Anschlag war gut vorbereitet; Zündschnur war vom Wohnzimmer in alle anderen, ebenfalls großzügig mit Brandbeschleuniger präparierten Räume ausgelegt. Die Trockenheit der letzten Wochen und die Holzstruktur des alten Hauses taten ihr Übriges.

Donnerstag, 4. August 2011

drehzahltag

vor jahr und tag
falsche schlüsse gezogen
fortgeschlossenes blau
bei tag und nacht
in gitterstäbe verwandelt
in kreisen durchlaufen
stunde um stunde
verflucht doch
nie verstanden

Dienstag, 26. Juli 2011

02:27

neben mir
steh ich
auf dich
blicke ich hinab
weiß ich nicht
wo oben
wo unten
sich befinden
zeigt sich noch

Dienstag, 19. Juli 2011

schwimmen

das wasser im flur steht mittlerweile hüfthoch, ich weiß nicht warum, eben reichte es mir noch bis zu den knien. woher es kommt, weiß ich erst recht nicht. noch vor kurzem saßen wir zusammen im leeren wohnzimmer auf decken, aßen irgendetwas belangloses, lachten, dann war es an der zeit aufzubrechen. aber ich will noch unter die dusche, soviel ist sicher, es ist verdammt wichtig, dass ich das noch schaffe, bevor es losgeht. doch die umengen an wasser erschweren das vorankommen, machen es fast unmöglich, die badezimmertür zu öffnen. es dauert endlos, während das wasser weiter steigt. endlich in diesem kleinen, kahlen raum angekommen, muss ich mich fast schon schwimmend fortbewegen und stehe plötzlich vor dem massiven problem, was nun mit dem duschvorhang zu tun ist. wenn ich ihn zur seite ziehe, wird das den wasserstand beeinflussen, nur in welche richtung kann ich nicht sagen. auch weiß ich nicht, was hinter dem vorhang auf mich wartet, da kann alles sein, einfach alles. die wassermassen jedoch wollen nicht mehr zulassen, dass ich mich eigenständig bewege, sie drängen mich fort, lassen mir keine wahl als gegenwehr. verzweifelt rette ich mich nun doch hinter den abgegriffenen, bräunlichtransparenten gummivorhang, drücke ihn hastig gegen die blassgelben fliesen. hier auf diesem quadratmeter ist kaum wasser, doch ich bin nicht schnell genug, von außen quillt es mir hinterher, droht jetzt mir die atemwege zu verschließen. panisch und mit letzter kraft schaffe ich es, den hahn aufzudrehen, bevor ich endgültig fortgerissen werde. bis auf das gleichmäßge prasseln aus dem duschkopf wird es ruhig. das wasser sinkt auf ein erträgliches maß, es zieht sich zurück durch den spalt unter der badezimmertür.

zurück im flur steht m. vor mir. vom wasser keine spur.
wo ich denn bleibe, will er wissen.

Montag, 18. Juli 2011

zwischenmensch

während der sommer an dir vorbeizieht
dieser sommer der keiner ist
an beschlagenen scheiben der regen hinabrinnt
sich pfade durch sich selbst suchend
suchst du dich selbst
in den lauwarmen pfützen
der schlafenden stadt

Mittwoch, 13. Juli 2011

insomina

zu wenig schlaf
zu viele bilder
regennass
unter den füßen
sommerasphalt

Montag, 27. Juni 2011

random signals - somehow i missed may

nicht nur hier sondern auch anderswo anhaltendes weißes rauschen im kopf, wohl schon seit ende april. still sorting. dinge schieben sich an ihre natürlichen positionen, es knarrt und knackt im hirn und im herzen. manche prozesse gehen erstaunlich langsam von statten. angst vor verwesendem fleisch, hoffnung auf metamorphose.

Donnerstag, 28. April 2011

and I just can't seem to get enough

Und ich so: voll mit der Hand über der Herdplatte. Schon wieder und mit dem wohligen Gefühl in der Magengegend, dass ich sie da bald nochmal drauflegen werde. Weil. Manchmal steh' ich echt fassungslos neben mir und weiß nicht, ob ich mir selbst ordentlich auf den Hinterkopf schlagen oder doch lieber frisches Popcorn besorgen soll.

Und Du so?

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Sieh mal zu!

warm und licht und plüschig

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Nix geht verloren, der Treibsand wird archiviert: Deutsches Literaturarchiv Marbach. Danke.

Anna

- heißt eigentlich anders und schreibt seit 2002 hin und wieder was ins Internet, seit 2007 tut sie es hier. Ab und an denkt sie wegen Untätigkeit laut oder leise übers Löschen nach, durchringen kann sie sich nicht. Im Treibsand versinken Gefühle, Eindrücke und Textfetzen, die irgendwohin müssen, aber nirgends so richtig passen wollen.

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