Ganz neue Erfahrung: die Zeit rast und steht still gleichzeitig.
Anna Licht - 18. Mär, 15:30
Er wird sie verlassen. Noch ist es nicht beschlossen, noch ist es nicht getan. Gleich der Brandung an einem beliebigen Küstenabschnitt wechseln Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, ohne dass sich an der äußeren Kulisse etwas ändern würde. Das gleiche Gesicht trägt sie, die gleichen Gedanken denkt sie wieder und wieder, nur der Filter wechselt unkontrolliert, mitunter minütlich, ändert die Färbung dessen, was ausgebreitet, wartend vor ihr liegt. In der Hoffnungslosigkeit liegt ihre Zukunft, das Ich, das Werden. Sie weiß das und will es doch nicht wissen, noch nicht, nur einen Moment noch liegen bleiben in der verblassenden Wärme des ausgeträumten Traums. Sie klammert sich an die Hoffnung auf Zukunftslosigkeit, malt Bilder in den leeren Raum mit Farben, die es gar nicht gibt.
Vielleicht auch wird sie ihn verlassen, weil er es nicht kann. Weil er abwägt und sich ziert, das so offensichtlich Gewordene auszusprechen, weil es nie schön ist und nie so gewollt war, nie so gedacht und doch schon immer unabwendbar.
Weit weg sein will sie bereits, soweit wie möglich, wenn er erkennt, was sie schon vor ihm wusste.
Anna Licht - 18. Mär, 12:11
der augen blick
trinkt gierig horizonte dir
und wintermorgen
aus der hohlen hand
Anna Licht - 17. Mär, 14:21
Es ist fast schon unheimlich, wie schnell sich das menschliche Gehirn an Situationen anpasst, Neues zu Gewissheit und Normalität werden lässt und den Orgnismus so zum Weitermachen befähigt. Wo an einem Tag noch jegliche synaptische Verbindungen zum Verständnis fehlten, bahnen sich die zunächst panisch kreisenden Gedankenströme über Nacht ihren Weg, verknüpfen Nervenzellen miteinander, laufen die Strecke einige Male ab und der Rest der biologischen Einheit folgt.
Wie lange es wohl dauern mag, bis sie die alten Wege nicht mehr nutzen, sich Schlaglöcher bilden und ganz langsam der Löwenzahn durch den Asphalt bricht?
Anna Licht - 12. Mär, 12:45
Die zutiefst dämliche Prinzessin Drama hingegen hatte Herz und Lungen im Turm liegen lassen.
Anna Licht - 11. Mär, 11:21
"Seltsam", dachte der Prinz, "wo musste sie wohl so dringend hin?"
Anna Licht - 7. Mär, 13:27
Und als der Prinz dann doch endlich auftauchte, lagen nur noch ihre Zöpfe gekappt am Fuße des Turmes, direkt neben einer Leiter, die kurz unterhalb des hoch oben gelegenen Fensters endete. Es musste Monate gedauert haben, eine solche Leiter zu fertigen, doch vom Handwerk haben Prinzen keine Ahnung.
Anna Licht - 4. Mär, 13:46
Frau Wahl kann nicht bloggen, wenn ihr jemand
über die Schulter schaut.
Ich kann nicht das bloggen, was ich von jemandem gelesen wissen möchte, weil ich Angst habe, dass jemand es liest. Obwohl ich weiß, dass jemand es sowieso nicht liest.
Am Ende der Worte.
[/Seelenstriptease]
Anna Licht - 29. Feb, 09:58
Die Straßen, die ich durchlaufe, die Grünstreifen, die ich passiere, die Gesichter der Menschen, sie alle sagen mir nichts. Sie ziehen an mir vorbei, ich ziehe weiter. Wie eine Herde großer Tiere stehen bewegungslos die Kräne, die die Zukunft gestalten sollen, vor der Kulisse einer Region im Stillstand. Sie beachten mich nicht, sie beachtet mich nicht und ich will mich zwingen, nicht Unmögliches zu verlangen, und versage kläglich.
Die Wochenenden gleichen den früheren, das Sitzen zwischen den Menschen, die meine alten Bekannten geworden sind, ist inhaltslos; unverstanden, nicht verstehend schweige ich. Ich bewege mich rückwärts durch die Zeit. Meine Gedanken versuchen, ein Ganzes herzustellen aus den Splittern und Fetzen dessen, was meine Filter von Draußen übrig lassen. Nichts passt zusammen, und so entsteht mein Bild, und meine Bleistiftskizzen sind nichts als Verzweiflungstaten gegen das Verstehen.
Denn die Stadt schweigt mich an, nur der Blick meines Spiegelbilds, der verzerrten Reflexion, spricht stumm und deutlich Worte, die ich nicht hören will.
Anna Licht - 26. Feb, 14:38