[- pärchenmärchen -]
Prüfend blickte sie ein letztes Mal in den Spiegel, schob einen vergessenen Lederriemen durch die dazugehörige Öse und atmete probeweise tief ein. Kühl spürte sie das Metall auf ihre sich hebenden Brüste drücken, und zufrieden stellte sie fest, dass der neue Schutz nahezu perfekt saß. Keinen Finger hätte man zwischen Rüstung und Haut schieben können, doch sie bekam genug Luft und trug nicht zu schwer an dem noch ungewohnten Gewicht. Bald würde ihr, da war sie sich sicher, das morgendliche Ritual des Anlegens in Fleisch und Blut übergegangen sein, würde sie sich kaum noch bewusst sein, die Brünne überhaupt zu tragen.
Alles würde anders werden.
Anna Licht - 8. Mai, 11:31
Zitternd zog sie sich die letzen Zentimeter empor, die Fingerspitzen in den kalten Stein des Fenstersims gekrallt, und keinen Blick warf sie auf das, was vor ihr lag. Mit halb geschlossenen Augen kroch sie durch das Fenster, das so viele Jahre lang den Rahmen für ihren Blick auf die Welt gegeben hatte. Sie straffte die Schultern, richtete sich gerade auf, als ihre Füße sicher auf dem vertrauten, so kalten Boden angekommen waren, und erst jetzt öffnete sie Augen und Blick für ihre Umgebung.
Der Raum war leer.
Nur das, was sie vergessen hatte, fand sie dort, auf dem Fußboden liegend. Das Herz war, das sah sie auf den ersten Blick, zerbrochen, und sie war nicht sicher, ob es je wieder ganz zu heilen wäre.
Die Lunge aber hatte auf wundersame Weise keinen Schaden genommen.
Anna Licht - 21. Apr, 10:34
Sie war den ganzen Weg gerannt. Atemlos zwängte sie sich durch die lindgrünen Haselsträucher am Rande der von Frühlingssonne überfluteten Lichtung. Dort stand er, ihr Turm, in dem sie so viele Jahre gewartet hatte. Hoch ragte er vor ihr in den blauen Himmel. Die Leiter stand noch da, wo sie sie zurück gelassen hatte, vom Prinzen hingegen keine Spur. Hastig erklomm sie die ersten Sprossen, doch je höher sie stieg, desto langsamer wurde sie und die letzten Griffe, die ihre Hände tätigen mussten, um sie das Fenster erreichen zu lassen, wurden zögerlicher und zögerlicher. In ihrem Innern wusste sie, was sie dort oben erwarten würde. Sie hatte es immer gewusst, aber nicht zu denken gewagt, hatte sich immer neue Begebenheiten ausgemalt, deren Verlauf das große Ganze hätten ändern können, hatte immer neue Podeste für ihre Hoffnung aufgestellt.
Anna Licht - 20. Apr, 19:41
Warten war seine Sache nicht. Er verbrachte die Zeit gerne mit sinnvollen Dingen, Dingen, die irgendwo hinführten, Dingen, die wichtig waren. Sie würde sich schon beizeiten melden, wenn sie vom Friseur oder welchem prinzessinenhaften Zeitvertreib auch immer zurück war. Bis dahin würde er dem Tagesgeschäft nachgehen. Die Dinge erledigten sich schließlich nicht von allein.
Anna Licht - 28. Mrz, 14:34
Die zutiefst dämliche Prinzessin Drama hingegen hatte Herz und Lungen im Turm liegen lassen.
Anna Licht - 11. Mrz, 11:21
"Seltsam", dachte der Prinz, "wo musste sie wohl so dringend hin?"
Anna Licht - 7. Mrz, 13:27
Und als der Prinz dann doch endlich auftauchte, lagen nur noch ihre Zöpfe gekappt am Fuße des Turmes, direkt neben einer Leiter, die kurz unterhalb des hoch oben gelegenen Fensters endete. Es musste Monate gedauert haben, eine solche Leiter zu fertigen, doch vom Handwerk haben Prinzen keine Ahnung.
Anna Licht - 4. Mrz, 13:46