augen und kopf suchen und während das leben genau weiß, was es von dir will, hat das herz die klappe zu halten.

annemarie schwarzenbach wild durcheinander mit gerade erwachenden jungen frauen, letztere fotografiert von bettina rheims.
Anna Licht - 1. Jun, 20:44
Beim unmotivierten Wühlen in den Offline-Beiträgen drüber gestolpert. Etwas älter als ein halbes Jahr, ein halbes Leben weit fort. Alles anders geblieben. Viele Gedanken im Bauch und Gefühle im Kopf derzeit, deswegen statt Unverdautem oder gar nichts was Liegengebliebenes. Nicht dass noch wer denkt, ich läge tot im Flur.
13 Stunden* Datenbankbasteln und Programmwurschteln ist, bei Erfolgserlebnissen an den richtigen Stellen, erträglich anstrengend, auszuhalten mit wohl plazierten Dosen von Schokolade, Kaffee und Käsebrötchen. Die ersten neun Stunden ist es o.k., und die Kollegen sind nette Gesellschaft, die letzten vier verbringt man in stiller Dankbarkeit für den Feierabend der anderen. Den Heimweg schiebt man vor sich her, hier noch ein Formular, dort noch etwas Code polieren, und die Abfrage von paradoxen Laborwerten kann man auch noch eben hinbiegen. Mit fortschreitender Uhrzeit jedoch werden die Augen schwerer, die Finger müder und schließlich schaltet man endgültig ab, Hirn, Rechner und das Licht im Flur auch, weil man eine brave Praktikantin ist.
Lustlos verlässt man nach dem Weg durch die trostlosen Kliniksgänge das Hauptgebäude, tritt für einige wenige, gnädige Meter zum U-Bahn-Schacht hinein in die nächtliche Luft, die wie Nieselregen ist, und schlurft den wirklichen Anstrengungen des Tages entgegen.
*Disclaimer: ich mache das freiwillig. Niemand zwingt mich oder setzt mich unter Druck außer mir selbst und meinem schlechten Zeitmanagement! Meine Chefin ist derzeit noch nicht einmal da und wenn sie es wäre, sie würde sagen: was machen SIE denn noch hier?
Anna Licht - 5. Mai, 14:45
Sowas hat ja jeder.
Personen in seiner Vergangenheit, die etwas getan haben, was so einprägsam im negativen Sinne war, dass künftig niemand in unserem Umfeld auch nur Ansatzweise dieses Handlungschema erfüllen darf, will er nicht ernsthafte Probleme mit uns bekommen.
Bei mir war es der Designer, der sich zusätzlich zu den ganz eigenen Problemen, über die er sowieso schon in Hülle und Fülle verfügte, immer gerne noch und mit größtem Elan die Schuhe anderer Menschen anzog, um dann hinterher zu klagen, sein Los sei zu schwer, die Welt nicht gerecht und alle gegen ihn. Gerne in Begleitung seiner ganz speziellen "nein, lass mich zurück, ich halte Dich nur auf, mein Leid darf nicht zählen (hab ich erwähnt, dass ich leide?)"-Attitude, die ich ihm noch heute gerne zu fressen gäbe (würde ich ihn nochmal sehen wollen).
Seitdem ist es wurscht, wer mit welchem Aspekt dieses Verhaltensmusters aus welchem Grund aufwartet - Freund oder Feind versetzt mich in einen Zustand, der mit gewaltbereit nur unzulänglich umschrieben wäre.
Anna Licht - 16. Jan, 14:04
Ich habe heute
- den Müll rausgebracht
- den Papiermüll weggebracht
- die Möhren und den Kohl, die es sonst bald hinter sich gebracht hätten, zu lecker Mischmasch verarbeitet und Teile davon so gut wie tiefgefroren
- die Küche geputzt
- den Flur geputzt
- die Wäsche gewaschen und
- den nahenden Winter fotografiert
Da sag noch mal einer, Klausuren am nächsten Tag seien zu nichts nutze. Schön sauber hier.
Schreibt mir jemand eine Entschuldigung für Pharma?
Oder besser noch, diverse Wirkmechanismen in mein Hirn?
Schon gut, war ja nur 'ne Frage...
Anna Licht - 28. Nov, 16:26
Gefräßig die Schläge von Sperrholz auf Asphalt im Erklimmen der grauen Häuserschluchten; in kaltes Rosé getaucht, orangener Männer Schreien gehört zwingend dazu. Die Streiterei beim Frühstück eint Amseln und Nachbarn, Verkehr drängt zeternd die Straßen entlang, dazwischen die hohen Absätze der Damen. Die Haustür fällt zu spät für das Rattern der Tram, die Kinder, kleine Pylonen, rufen sich zu.
Der Tag ist noch frisch, im Morgenwind wehen Gardinen.
Anna Licht - 20. Sep, 00:25
Abends spontan zum Tee eingeladen werden und auf dem
Oud etwas vorgespielt zu bekommen, ist definitiv einer der Momente, die das Wohnheimleben unvergleichlich machen und anhaltende Wirkung haben werden. Ihre Klänge ziehen jetzt noch vereinzelt von nebenan durch zwei Meter Maxvorstädter-Nachtluft zu mir herüber.
Ich weiß jetzt schon, dass es mir fehlen wird, der Gedanke
so hätte es sein können zieht jedoch faszinierender Weise nicht stark in der Magengegend, sondern motiviert: ich bin wild entschlossen, nicht zuvergessen und ein Instrument zu lernen.
Anna Licht - 18. Sep, 00:14