[- konturverneinend -]

Donnerstag, 14. Mai 2015

Seegang

Und dann sind wir am Meer, die Luft schmeckt nach Salz, der Wind zerrt sn unseren Haaren und irgendwo schreit eine Möwe. Mein Gott, das ist so stereotyp, aber genauso ist es, genauso fühlt es sich an. Feuchter, schwerer Sand und glitschiges Seegras unter unseren stapfenden Füßen, immer wieder Haarsträhnen zwischen den Lippen. Wörter werden aus unseren Mündern gerissen und verlieren sich im Grollen des Meeres, über den Schaumkronen der grauen Weite vor uns. Atemlosigkeit, kalte Nasen, Treibgut am Strand und im Kopf. Hohes, scharfkantiges Gras auf den Dünen gibt es auch, am Horizont manchmal, selten, ein Schiff. Abends Kamin und Buch und Käsebrot mit Tomate; Ostfriesentee, natürlich, Füße in Wollsocken. Extatische Langeweile, weit fort ist die Stadt. Wir vergessen ein wenig von dem, was uns dort ausmacht, wir lieben uns, wir sind frei. Heile Welt zwischen den Kapiteln.

Dienstag, 19. August 2014

jean

Zerissen zwischen Wort und Bild, hier und dort, den anhängigen Freunden, Herz und Kopf, Körper und Geist. Meine Gedanken sind kokelnde Fetzen, vor Jahren schon erkaltet, und gespenstergleich wandle ich durch die Straßen meiner Heimat, immer begleitet von dem Gefühl, schreien zu wollen, zu müssen gar. Lange, laut und schrill.

Und würde ich schreien, die Realität, oder das was vorgibt Realität zu sein, zerspränge, zersplitterte in tausend mal tausend mal tausend kleine Dreiecke aus Kristall, fiele in sich zusammen, lautlos und in Slowmotion. Die Zeit fröre ein, hörte auf zu existieren. Hätte nie existiert. Die Welt ist ein Traum, mein Traum, das wirbelnde Chaos in mir, das wirbelnde Chaos, das ich bin; ich kann sie anhalten, ich kann sie auslöschen.

Wenn ich nur tief genug Luft hole, kann ich sie ungeschehen machen, doch aus meiner Kehle dringt kein Laut.


Auch hier.

Mittwoch, 2. Januar 2013

in märchenhaft

ich finde die richtigen worte nicht. oder sie finden mich nicht. umwuchert von alltag weiß ich nicht mehr genau was oder wer oder wie, und die ungewissheit ist derzeit das einzige, dessen ich mir noch völlig sicher sein kann. das warten auf etwas, dass sich im nebel von ungewagten wünschen verbirgt, ermüdet, betäubt, zermürbt. ich kann deine bilder sehen, die von dir lauter schweigen, als man sich das gemeinhin so vorstellen kann, aber dich sehe ich nicht, und du siehst sowieso gar nichts, hast du auch noch nie, nichts neues also im westen der stadt. dornröschen hat schlafprobleme und kneift die augen zu, dabei sollte sie lieber mal schreiend das schloss zertrümmern.

Samstag, 29. September 2012

Die Schranksituation

So, sagt die pinke Nervensäge, du willst es also immer noch nicht einsehen? Ich schüttele heftig den Kopf, wärend ich mir beim angestrengten Versuch, endlich diese Schranktür aufzubekommen, fast ein Stück Zunge abbeiße. Mit dem ganzen Körpergewicht stemme ich mich gegen das knirschende Holz, aber das dämliche Ding will und will nicht aufgehen. Der Fisch zieht genüsslich an seiner Zigarette, bläst ein paar Rauchkringel in die Luft, murmelt in süffisantem Singsang, dass das so nie was werde, und fliegt dann noch eine kleine Runde durch den Raum. Was nicht Psychologie ist, ist Physik, sagt er dann, nachdem er sich wieder links oberhalb meiner Schulter positioniert hat, reine Physik. Hebelwirkung und so, das wird dir jawohl ein Begriff sein. Einen Moment unterbreche ich meine Bemühungen, latent gewaltbereit, was ich mir jedoch nicht anmerken lasse, und puste mir stattdessen den Pony aus den Augen. Das ist es ja, was dieser elende Klugscheißer will, mich vorführen, aber das kann er vergessen, so einfach kriegt er mich nicht, nicht mit mir. Außedem habe ich hier ganz andere Probleme. Ich geb dir gleich Hebelwirkung, denke ich mir und wende mich wieder meinem Problem zu. Der Schrank geht nicht auf, will nicht hergeben, was er in seinem wuchtigen Körper gefangen hält. Komm schon, knurre ich ihn an, wir hatten einen Deal. Du bekommst die Sachen für eine gewisse Zeit und darfst deinem Bedürfnis nach Aufbewahren nachgehen, aber irgendwann fordere ich sie zurück. Das haben wir immer so gehandhabt und wir waren beide glücklich damit. Oder, naja, was heißt glücklich, zumindest zufrieden. Es muss ja nicht immer gleich Glück sein, Zufriedenheit ist doch schon eine ganze Menge. Ich mein', schau dich doch mal um da draußen in der Welt, Zufriedenheit ist dieser Tage Trumpf und man kann nun mal nicht immer haben, was man will. Oder behalten was man hat, man muss auch loslassen können. Na also, sagt der Fisch neben mir, du hast ja doch irgendwann mal zugehört.

Montag, 24. September 2012

Realitätsabgleich

Da draußen rennen Leute rum, die gibt’s gar nicht, kann's gar nicht geben, weil so was eigentlich nur in schlechten Filmen oder Romanen auftauchen sollte. Wo man sich dann denkt, was für 'ne billige Idee dieser Charakter ist, und dass der ja nur für das reflexive Moment des Protagonisten oder aus irgendeinem anderen schlecht konstruierten und überdeutlich sichtbaren Grund in die Geschichte reingedrückt wurde, und anschließend das Buch genervt zur Seite legt und lieber ein bisschen an die Rauhfasertapete starrt. Wie der Psychater, der die fünf Fragebögen, die ich ausfüllen musste, um in sein schon in den Achtzigern schlecht eingerichtetes Sprechzimmer vorgelassen zu werden, einfach komplett ignoriert, und mir dieselben Fragen in desinteressiertem, gehetztem Ton noch einmal stellt, die Augen auf die Tatstatur gerichtet, auf der er mit zwei bis drei Fingern die passenden Buchstaben sucht, sichtlich mit der Menueführung der Software überfordert. Eigentlich wollte ich nur eine Lagebesprechung, um eben nicht wieder in der Depression zu landen, die milde lächelnd seit einigen Wochen vor meiner seelischen Haustür rumlungert, und eigentlich weiß ich, dass ich bei einem wie dem hier völlig falsch bin, aber kurzfristige Termine bekommt man eher schlecht bis gar nicht bei den hiesigen Therapeuten. Warum meine Hausärztin hier erfolgreicher war, ist immer weniger ein Geheimnis, genauso wenig wie die Gründe für das komplett leere Wartezimmer. Das empathielose, inkompetente Arschloch mir gegenüber wird ganz offensichtlich zurecht von der potentiellen Patientenschaft gemieden. Irgendwann zwischen Familienstatus der Eltern und Schulabschluss werfe ich ein, dass ich mal eine Episode in einer Psychosomatischen Klinik hatte, so mit 20, Kiffen, Depressionen, Krise, siewissenschon, dachte das könnte wichtig sein. Ob ich noch kiffen würde, fragt er mich, ich sag, naja, kommt schon mal vor, dass ich mal an einem Joint ziehe, aber extrem selten und dann nur ein-, zweimal, auf Soziophobie steh' ich nicht so. Hamses also noch nicht gelernt, blafft er mich an, und fragt, ob ich noch andere Drogen nehme, äh, nein, selbstverständlich nicht, sag ich, ich bin ja nicht bescheuert und erzähl dem jetzt von, najasiewissenschon. Dann faselt er was von Sozialgesetzbuch V, der Pflicht, arbeitsfähig zu sein und zu bleiben, und dass ich mal bloß nicht glauben soll, er schreibe mich jetzt krank oder sowas, ich soll mir mal die aufgeschriebenen Antidepressiva holen und in drei Wochen nochmal herkommen. Ja, bestimmt, denke ich mir, alles klar, und erinnere mich eine halbe Stunde und einen Heulkrampf auf der Straße später schließlich doch noch, dass man letzten Endes eben doch in den aller meisten Fällen auf sich selbst gestellt ist, und Hilfe suchen und Hilfe finden immer noch zwei ganz unterschiedliche Buletten sind. Dass man ganz schön am Arsch gepackt ist, wenn man nicht genug Kraft hat, um sich selbst aus sowas rauszuziehen, und wie gut es ist, dass ich ab und an zu Trotzreaktionen neige.

Sonntag, 23. September 2012

the heroine and the werewolf

du trinkst. zu viel, zu lange schon, du weißt es, aber du trinkst weiter, rauchst, mehr fällt die nicht ein, außer zum hundertsten mal die erste und die letzte sommerwärme am fluss, die blöden nilgänse, nieselregen, der nie gestört hat, albernheiten und atemlosigkeit, nähe und unerreichbarkeit in einer person gebündelt. nothing wrong when a song ends in a minor key. wie kann man denn ernsthaft jemanden vermissen, dessen leben das eigene doch nur so selten, so belanglos und kurz gekreuzt hat? so wenig zeit miteinander, über so viele jahre. so wenig zeit, so intensiv, so zehrend, so wichtig und dann doch unbedeutend. but i admit that i provided a full moon. du hast endlich die angst besiegt, immerhin. aufgehört, wegzulaufen, nur um festzustellen, dass du hier nicht beiben kannst. brücken endlich einreißen, aber dich vom anblick der anderen seite nicht lösen können. im stillen auf ein boot hoffen, statt dich endlich umzudrehen und fortzugehen. streifst am ufer entlang, noch immer am selben verdammten fluss. die halbherzige illusion von bewegung. i know the fiction of the fix. wem machst du denn bitte was vor? wir werden dieses buch niemals ausdiskutieren. ein zur seite gelegtes, nicht ausgelesenes buch. sind wir das, waren wir mal mehr, hätten wir es sein können? oder sind wir einfach nur ein verendetes manuskript? der ausgang einer geschichte, deren ende wir nie erfahren werden.

nothing wrong when a song ends in a minor key.

Samstag, 8. September 2012

the streets are empty II

windspiele, morgens um halb fünf im januar, und der wind schleift laubreste über den asphalt. immer einen fuß vor den anderen setzen, sich von schatten nicht beeindrucken lassen, nicht von denen an der straßenecke, nicht von denen im eigenen kopf. beendete gespräche im ohr und gedankenreste hinter den augen.

Dienstag, 13. September 2011

Marshmallow morning

Während ich da also am Boden liege, mich krampfhaft am letzten verbliebenen Bein des Küchentischs festklammernd, um nicht auf die Spülmaschine zu knallen, grinst mich dieser beknackte fliegende Fisch mit seinem Habichdirjagleichgesagtgesicht aus der Vogelperspektive an. In meinem Kopf macht kurz das Arschlochkind unter den Gedanken - hätteste mal auf den pinken Idioten gehört - auf sich aufmerksam, da Besserwisser aber keiner mag, jagen ihn Leck-mich und Vielleicht-hätte-ich-noch-mehr-trinken-sollen gemeinsam als leichten Schauer übers Rückgrat fort. Ändert allerdings nichts an meiner derzeitigen, durchaus misslich zu nennenden Lage. Dazu kommt das Ticken der Uhr, das mich wahnsinnig macht. Kein Wunder, dass alles ist, wie es ist, ist ja nicht auszuhalten sowas.

Mit den Füßen angele ich vergeblich nach einer der auf dem Boden verstreut liegenden Blechdosen (wieso fallen die eigentlich nicht in Richtung Küchenzeile? Schwerkraft? Hallo?), in der recht ambitionistischen Hoffnung, sie als Wurfgeschoss gegen den tickenden Terror da über der Tür einsetzen zu können. Ambitionistisch, da ich für dieses Unterfangen zum einen mit einer Hand das Tischbein loslassen müsste, zum anderen weil die Luft im Raum die Konsistenz von feuchten Marshmallows aufweist. Ich kenne mich da jetzt nicht sonderlich gut aus, denke aber, dass dieser Sachverhalt das Flugverhalten von Blechdosen durchaus negativ beeinflussen könnte.

Aber was ich auch tue, meine Glieder gehorchen mir sowieso nicht, und das elende Blechzeug widersetzt sich eisern jeglichen physikalischen Gesetzen, verhöhnt mich (was ich ihm zugegebenermaßen zu diesem Zeitpunkt auch nicht ernsthaft verübeln kann), während es sich immer weiter von mir entfernt.

Also bleibe ich, wo ich bin. Es kann ja nun ohnehin nicht mehr lange dauern, bis jemand kommt und hier für Ordnung sorgt.

Hoffentlich verbrennt er den Fisch.

Dienstag, 23. August 2011

Von der Freiheit

Es war am Montag, den 28. Juni, um ziemlich genau 17:42 Uhr, als Elisabeth H. in leichter Sommerbekleidung, einen Koffer, der wohl das Nötigste enthalten mochte, fest in der linken Hand, auf die Straße trat, sich noch ein letztes Mal zum Haus ihrer Jugend umdrehte, um übergangslos mit der rechten einen Brandsatz durch das geöffnete Wohnzimmerfenster zu schleudern. Die Uhrzeit lässt sich so genau bestimmen, da just in dem Moment, als der großzügig über Polstermöbel, Teppiche und Gardinen verteilte Brandbeschleuniger seine Wirkung tat, die Linie 105 von der Haltestelle Grüner Weg abfuhr und dadurch den Fahrgästen für einen kurzen Moment freie Sicht auf das auflodernde Inferno bot; der Bus hatte an diesem Tag kaum Verspätung. Die befragten Anwohner sind sich darüber einig, dass Frau H. mindestens noch eine Minute lang, eher aber etwas länger, sehr ruhig auf dem Gehsteig gestanden und das sich ausbreitende Feuer mit wohlwollendem Lächeln und gelegentlichem bestätigenden Kopfnicken betrachtet habe.

Über ihr Verschwinden hindes herrscht Unklarheit, die Zeugenberichte diesbezüglich sind widersprüchlich. Herr M. aus dem Nachbarhaus will sie die Straße Richtung Ortsausgang hinabgehen gesehen haben, leichten Schrittes, wie damals, wenn sie zum Fluss ging. Ehepaar S. von gegenüber hingegen ist sich einig, sie in Richtung Zentrum eilend, als wolle sie einen Bus oder ähnliches erwischen, gesehen zu haben. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Nachbarsjunge B. darauf beharrt, sie habe sich nach einiger Zeit des Stehens, Lächelns und Nickens einfach in Luft aufgelöst oder aber in eine Schwalbe verwandelt. Genau wolle er sich nicht festlegen, ein Vogel sei aber definitiv vorhanden gewesen.

Aus den Trümmern des Hauses konnte nichts von Wert gerettet werden. Der Anschlag war gut vorbereitet; Zündschnur war vom Wohnzimmer in alle anderen, ebenfalls großzügig mit Brandbeschleuniger präparierten Räume ausgelegt. Die Trockenheit der letzten Wochen und die Holzstruktur des alten Hauses taten ihr Übriges.

Dienstag, 19. Juli 2011

schwimmen

das wasser im flur steht mittlerweile hüfthoch, ich weiß nicht warum, eben reichte es mir noch bis zu den knien. woher es kommt, weiß ich erst recht nicht. noch vor kurzem saßen wir zusammen im leeren wohnzimmer auf decken, aßen irgendetwas belangloses, lachten, dann war es an der zeit aufzubrechen. aber ich will noch unter die dusche, soviel ist sicher, es ist verdammt wichtig, dass ich das noch schaffe, bevor es losgeht. doch die umengen an wasser erschweren das vorankommen, machen es fast unmöglich, die badezimmertür zu öffnen. es dauert endlos, während das wasser weiter steigt. endlich in diesem kleinen, kahlen raum angekommen, muss ich mich fast schon schwimmend fortbewegen und stehe plötzlich vor dem massiven problem, was nun mit dem duschvorhang zu tun ist. wenn ich ihn zur seite ziehe, wird das den wasserstand beeinflussen, nur in welche richtung kann ich nicht sagen. auch weiß ich nicht, was hinter dem vorhang auf mich wartet, da kann alles sein, einfach alles. die wassermassen jedoch wollen nicht mehr zulassen, dass ich mich eigenständig bewege, sie drängen mich fort, lassen mir keine wahl als gegenwehr. verzweifelt rette ich mich nun doch hinter den abgegriffenen, bräunlichtransparenten gummivorhang, drücke ihn hastig gegen die blassgelben fliesen. hier auf diesem quadratmeter ist kaum wasser, doch ich bin nicht schnell genug, von außen quillt es mir hinterher, droht jetzt mir die atemwege zu verschließen. panisch und mit letzter kraft schaffe ich es, den hahn aufzudrehen, bevor ich endgültig fortgerissen werde. bis auf das gleichmäßge prasseln aus dem duschkopf wird es ruhig. das wasser sinkt auf ein erträgliches maß, es zieht sich zurück durch den spalt unter der badezimmertür.

zurück im flur steht m. vor mir. vom wasser keine spur.
wo ich denn bleibe, will er wissen.

Und Du so?

Du bist nicht angemeldet.

Sieh mal zu!

warm und licht und plüschig

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Nix geht verloren, der Treibsand wird archiviert: Deutsches Literaturarchiv Marbach. Danke.

Anna

- heißt eigentlich anders und schreibt seit 2002 hin und wieder was ins Internet, seit 2007 tut sie es hier. Ab und an denkt sie wegen Untätigkeit laut oder leise übers Löschen nach, durchringen kann sie sich nicht. Im Treibsand versinken Gefühle, Eindrücke und Textfetzen, die irgendwohin müssen, aber nirgends so richtig passen wollen.

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Online seit 3743 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 7. Okt, 16:34

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[- bilderrätsel -]
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