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Wahlhamf

Seit Wochen schon versuche ich mich zu entscheiden, wie und wen ich bei der Oberbürgermeisterwahl Anfang Dezember wählen soll. Mein Verhältnis zu sämtlichen Parteien als abgekühlt zu bezeichnen, wäre noch euphemistisch. Die OB-Wahl ist aber sowieso Personenwahl, was besser ist, es aber nicht leichter macht. Zu wenig kenne ich mich in dieser Stadt aus, habe keine wirkliche Ahnung, was hier echte Probleme sind. Lediglich, dass man sich hier genauso wie in meiner Heimat permanent über das Stadtbild und bauliche Entscheidungen streiten muss (nur hier wesentlich erfolgreicher, oder sagen wir: im optischen Ergebnis signifikant weniger beleidigend). Tja, wen wählen?
Ihn, den Aktuellen, den Grünen oder Frau Sieber, die keine Website hat, aber für mehr Fahrradwege und weniger Prachtbauten ist?

Am Wahlwochenende bin ich nun auch gar nicht da, komme erst Sonntag am Spätabend zurück... Briefwahlunterlagen müssen her, also Donnerstag abend noch schnell in die Verwaltung, seit Wochen nicht hinbekommen, wofür auch, mir schmeckt keiner der Kandidaten so viel mehr bzw. weniger (so personenwahltechnisch gesehen), dass sich der Aufwand lohnte. Alle wollen letztlich Arbeit, Natur, Kultur, Familie, Freiheit & Rahmspinat.

Heute aber ist es dann plötzlich spannend geworden, denn der fünfte Kandidat, mir bis dahin nur indirekt durch seine Geschäfte bekannt, hat eine fulminante Werbekampagne gestartet:

-wahlkampf

Er betont, kein Spaßkandidat zu sein, sondern durch seine Kandidatur vor allem potentielle Nichtwähler zum Wählen zu bewegen.
Also Leute wie mich.
Samuel B. - 24. Nov, 10:23

kann ich dir leider auch nicht helfen. ich tendiere bei sowas zu dem kandidateIn, der / die auch ideen für das übernächste jahr hat.
und geh bloß wählen: damit du immer sagen kannst: ich hab den / die ja nicht gewählt, also darf ich schimpfen.

Anna Licht - 24. Nov, 12:26

Tja, so generell hast Du da recht, vorrausschauend fahren wählen ist immer sinnvoll, damit's nicht gegen die Wand läuft. Ich finde die nur alle so ununterscheidbar. M'kay, einer trägt 'ne Fliege und scheint farbenblinden Menschen die Gestaltung seines Internetauftritts übertragen zu haben - das ist skurril, aber wenigstens interessant.

"Schimpfen dürfen" ist natürlich ein Argument, aber mich werden oberbürgermeisterliche Entscheidungen (leider) nicht mehr wirklich betreffen, da ich, wenn sich das demokratisch dazu bestimmte Hinterteil in den Amtssessel fallen lässt, wohl gar nicht mehr hier sein werde.

Aber wenn ich es irgendwie am Donnerstag auf die Verwaltung schaffe, dann wähle ich definitiv irgendwen; ich habe mir geschworen, so lange wie's geht, demokratisch durchzuhalten.
Samuel B. - 25. Nov, 16:22

mir ist heute noch beim duschen was eingefallen.
auf jeden fall wählen gehen. und wenn dann überhaupt kein kandidat in frage kommt: ungültig wählen.
ich denke, wenn bei den wahlen auch all die hingehen würden, die einfach unzufrieden sind und dann ungültig wählen, dann würden sich die politiker vielleicht ein paar mehr gedanken machen.
stelle man sich mal vor, 12 % ungültige stimmen. das wäre ein deutlicher protest an der politik und ein deutliches zeichen, dass man an poltik interessiert ist.
Anna Licht - 26. Nov, 11:28

Ungültig wählen habe ich mir auch schon überlegt. Wobei ich das eher auf Bundesebene in Betracht ziehe. Die spinnen doch alle, kann da keinem mehr mit ruhigem Gewissen meine Stimme geben.

Ich glaube nur leider nicht wirklich, dass sich in den Berufspolitikerköpfen wesentlich mehr tun wird als: "Da schau an, die Wähler, zu blöd um 'ne gültige Stimme abzugeben" oder auch "alles Realitätsverweigerer, dummes Wahlvieh, hätte ich Freibier oder Gladiatorenspiele versprochen, hätten sie mich gewählt!". Auch nicht bei ungültigen Stimmen über 20%.
Als die Große Koalition zustande kam hieß es ja auch: "der dumme Wähler", anstatt mal wirklich darüber zu reflektieren, was da an Stimmung im Lande abgebildet wurde.

Im Lokalen ist's halt wie gesagt eine Personenwahl und ich kann jetzt nicht sagen: "Die gehen alle gar nicht", dafür kenne ich sie ja zu wenig und kann ihnen auch nix vorwerfen (außer Parteizugehörigkeiten ;-).

Aber ich gehe auf jeden Fall, weiß nun, dass ich es Donnerstag auf die Verwaltung schaffen kann. Vielleicht wähle ich ja wirklich den Hanfrestaurantbesitzer.
Samuel B. - 26. Nov, 11:58

ich glaub, wenn 15 prozent der stimmen ungültig sind, dann kann keiner mit "dummer wähler" kommen.
das ist ein stiller, aber sichtbarer protest.

der anfrestarauntbesitzer ist mir im ersten moment auch angenehm - aber reicht das als wahlentscheidung?
mir steht das ja nächstes jahr bevor, da wählt hessen!
Anna Licht - 26. Nov, 12:18

Naja, der "Burgermeister" wird ja eh nicht genug Stimmen bekommen, um ins Amt zu kommen. Es wäre quasi eine gültig abgegebene Stimme, die in sofern ein Zeichen setzt, als dass der Wahlgewinner (und die anderen auch) im Hinterkopf behalten, dass es "hier draußen" nicht allen nur ums "Sachffe', schaffe', Häusle baue' " oder einen neuen Glaspalast geht. Oder so.

Um den Wahlgang in Hessen beneide ich Dich nicht einen Millimeter. Da sag' ich nur Pest und Cholera.

Ich lande ziemlich genau nach der Wahl wieder in der alten Heimat, und mein Erstwohnsitz bleibt eh noch eine Runde hier im Süden... Glück gehabt, muss voraussichtlich erst 2013 wieder entscheiden, ob ich lieber von verlogenen Sicherheitsgläubigen oder profillosen Unfähigen regiert werden möchte ;-)