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Schwabinger Sauereien

Die wirklich guten Sachen findet man ja immer erst, wenn man im Begriff ist, einen Ort zu verlassen. Im Urlaub ist es der einzige Strand ohne Massen von Fliegen oder Menschen (was im Grunde das Gleiche ist: beide Gattungen sind penetrant, machen unangenehme Geräusche und man möchte nach ihnen schlagen, was aber in der Regel nicht wirklich hilft), dafür mit bunten Steinen, hohen Wellen und malerischen Felsen.

In München ist es das Cafe IGNAZ. Eher zufällig stießen wir auf eine Visitenkarte desselben, als wir - eher zufällig - in die Reithalle hineinschnupperten (es roch nicht nach Pferd, sondern nach Gemüse- und Menschenauflauf) und so auf der "ECOVITA - Möbel- und Naturtextilienausstellung 2007" landeten.
Zwischen einigen Dingen, die tendenziell alptraumhaft an das dunkle Zeitalter von Klocks und Vollkornnudeln gemahnten, fanden sich auch diverse schöne und vorallem schön kuschlige Dinge, die wir uns leider nicht mal im entferntesten hätten leisten können (wir bemerkten geschlossen, dass Karriere machen und Geld verdienen nicht immer komplett schlecht sein muss, der Hausschuhmann wünschte uns, in Ermangelung von Verkaufserfolgen, viel Glück).
Weil besagte Visitenkarte mit einer Möhre verziert so nett aussah und für meine vegan lebende Begleiterin die darunter angepriesenen veganen Kuchen eine seltene Verlockung darstellten, nahmen wir es nach eingehender Lektüre mit.

Noch viel zufälliger landeten wir dann später in der Georgenstraße, naja, zugegeben liefen wir einfach permanent geradeaus, aber auch das war ein Zufall, und wir erinnerten uns: oha, vegane Kuchen, da gibt's bestimmt auch veganen Milchkaffee für T., wir könnten also tatsächlich mal richtig Kaffe trinken, statt immer nur Kaffee und Tee oder heiße Zitrone. Ist ja schon aus sprachtechnischer Sicht angenehmer: "Kaffeetrinken" geht ja doch viel leichter von der Zunge.

Endlich angekommen quetschten wir uns hienein und landeten direkt vor der Kuchentheke. Ein Uhr mittags ist nun eigentlich keine gute Zeit für Kuchen, vor allem, wenn man noch keine andere Nahrungsgrundlage geschaffen hat, aber denjenigen will ich sehen, der sich bei diesem Anblick an Konventionen der Nahrungsaufnahme hält: Wackersteine von Gewürzkuchenachteln, gänzlich von Schokolade überzogen, lagen neben riesigen Obstkuchenrädern und nahmen fast die Sicht auf die Cremetorte, deren Stücke in Sachen Größe lediglich von einem gigantischen Schokoladen-Marzipan-Prachtwerk übertroffen wurden (in das ich mich, nebenbei erwähnt, spontan verliebte). Nach einem kurzen inneren Kampf mit dem in solchen Situationen äußerst lästigen Über-Ich und der Nachfrage, welches der denn der vegane Kuchen sei, zeigte uns die Bedienung mehrere extrem schmackhaft, aber nicht ganz so orgiastisch (was nicht heißt, dass ihnen nicht auch etwas ruchvolles anhing) aussehende Torten und Kuchen, und aus einer Mischung von Vernunft, Neugierde und Solidarität heraus entschied ich mich für ein Stück von der leicht nach Nusstorte aussehenden.

Was soll ich sagen - es war fantastisch. Nicht lediglich eine Alternative oder ein Kompromiss, sondern ein wirklich fantastisches Stück Torte, das je zwei Schichten Nougat und Marmelade enthielt, ansonsten viel Nuss, etwas bisquitartiges und außen mit Kokosraspel und sesamähnlichen Körnchen verziert war.
Und um den Aufenthalt perfekt zu machen, gab es große Gläser voll Java-Kaffee: halb Kaffee, halb Schokolade - also ein Getränk, von dem ich ohne Not vollständig leben könnte.

Kann man das noch toppen?
Ja.
Es ist, nicht nur für hiesige Verhältnisse, aber vor allem in Anbetracht der Qualität, mehr als bezahlbar. Und nett sind sie auch noch dort.

Nach meinem nächsten Besuch erzähle ich Ihnen vielleicht von den Gnocchi. Oder einem der Couscousgerichte. Vom Salat? Oder doch lieber vom Kartoffelgratin?
Wir werden sehen.
Wenn ich nicht geplatzt bin, versteht sich.
Kuchen gibt's nämlich gratis zum Nachtisch.

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